Heye warnt WM-Touristen vor No-Go-Areas in Brandenburg!

Wer jetzt erwartet hat, dass ich Uwe-Karsten Heye wegen seiner Kritik am Rassismus in Ostdeutschland "anmache", den muss ich ‘enttäuschen’. Der Mann hat doch vollkommen Recht! Richtig gelesen, ich stimme ihm zu! Manche Orte in Brandenburg sind nun mal unbestreitbar ‘vermintes Gebiet’ bzw. ‘national befreite Zone’, wo Menschen schwarzer Hautfarbe einem nicht zu leugnenden Risiko ausgesetzt sind; ja, wo sie um Leib und Leben fürchten müssen. Die ätzenden rassistischen Taten gegen "Schwarze" an sich, nicht deren Benennung und Anprangerung, schaden der (Tourismus-)Wirtschaft im Osten. “Es gibt kleine und mittlere Gegenden in Brandenburg und anderswo, wo ich keinem, der eine andere Hautfarbe hat, raten würde, hinzugehen”, sagte Heye gestern im Interview des Deutschlandradios. Dunkelhäutige würden diese Orte “möglicherweise lebend nicht mehr verlassen”.

Auch außerhalb Brandenburgs gebe es "No-Go-Areas", sagte Heye. "Wenn man sich mal in Sachsen umschaut, in der Sächsischen Schweiz, in Teilen Dresdens oder Leipzigs, oder in einigen Bereichen Thüringens, wenn man sich ansieht, was in einigen Stadien Deutschlands los ist mit den antisemitischen und rassistischen Äußerungen von Hooligans, dann gibt es ein weites Feld, wo man hin schauen muss." Auch nicht zu leugnen! Fußball-Weltmeisterschaft = die Welt zu Gast bei Freunden? Schön wär’s! Neonazis werden noch für etliche Probleme während der WM sorgen! Dass nun der Grünen-Fraktionschef im Europa-Parlament, der umstrittene Daniel Cohn-Bendit, den Worten Heyes zustimmt, ist schon paradox. Doch selbst das hindert mich nicht daran, ebenso seiner Ansicht zu sein.

Mein Tadel setzt ganz woanders an. Heye hätte einst als Regierungssprecher von Rot-Grün ganz anders agieren müssen und können. Er hätte als Mann der Öffentlichkeit für mehr Aufmerksamkeit und Wertschätzung junger Leute sorgen können, die sich gegen den Rassenhass und Diskriminierung engagier(t)en. Damals wurde verharmlost, was das Zeug hält! Vorbildliche Projekte junger Menschen gegen Rechtsextremismus (www.weisse-rose.info z. B.), die aber nicht dem rot-grünen Spektrum in den A…. kriechen wollten, wurden im Stich gelassen! Damals wie heute hatte Heye an der Spitze von "Gesicht zeigen!" leider keinen einzigen Cent und keine Zeile (oft sind auch schon wenige Worte der Anerkennung eine Hilfe für Jugendliche im Kampf für Toleranz und Fremdenfreundlichkeit) übrig. Nur aus diesem Grunde schließe ich mich der Forderung von Brandenburgs Innenminister Schönbohm nach Herrn Heyes Rücktritt an. Es muss endlich mehr gegen Extremismus getan werden -übrigens auch in Westdeutschland!

5 Antworten to “Heye warnt WM-Touristen vor No-Go-Areas in Brandenburg!” »»

  1. Kommentar by bluelectric | 05/18/06 at 13:35

    Ja - und nein (auch wenn das eine arg doofe Einleitung ist). Denn wovon soll Kollege Heye denn zurücktreten? Der Mann hat nur ein politisches Amt - das des Vorsitzenden von “Gesicht zeigen!”. Und ob er dem Verein mehr dient, wenn er nicht da ist, möchte ich bezweifeln. Im Hauptberuf ist er Chefredakteur des “Vorwärts” - und da ist es Sache seines Arbeitgebers, der SPD, ihm zu kündigen.

    Nee, lasst ihn mal, wo er ist - die Diskussion, so geheuchelt sie auch geführt wird, ist dringend nötig!

  2. Kommentar by magnus | 05/18/06 at 16:37

    @bluelectric
    Zurücktreten sollte er von beiden Funktionen. PR-technisch war das echt nicht gut eingefädelt, von seinem Nichtstun bzw. zu-wenig-Tun ganz zu schweigen. Gegen einen Rücktritt als Gesicht-zeigen-Vorsitzender wäre ich nur, wenn Friedman dann nachrücken würde (jeder weiss, dass das nichs damit zu tun hat, dass er Jude ist, sondern mit seiner Nutten/Koks-Affäre. Es zeigt: meine Vorbehalte gegen Heye liegen nicht in seiner SPD-Mitgliedschaft begründet, denn Friedmann ist ja in der CDU). Alles in allem: Heye hat dem Kampf gegen Rechtsextremismus mit seiner ‘Warnung’ bei gleichzeitigem im-Stich-Lassen junger Menschen geschadet.

  3. Kommentar by Wilhelm [Schoggo-TV] | 05/19/06 at 8:34

    Komisch. Vor Heyes Äußerung hatte ich noch nie etwas von “Gesicht zeigen! Aktion weltoffenes Deutschland” gehört. Nicht schlecht, Herr Specht, jetzt ist diese Gruppe, welcher Herr Heye vorsitzt, doch in so ziemlich jeder Pressemeldung genannt und bekannt worden. Meiner Meinung nach nutzte Heye seine, noch relative Popularität für einen gezielten Skandal (ich kann diese globale Beschuldigung nicht anders nennen) und machte damit, so en passant, auf sich und den besagten Verein aufmerksam. Der Verein sammelt bestimmt Spenden … . Es bleibt ein Gschmäckle.

  4. Kommentar by Rudi | 05/22/06 at 18:51

    Hier ist eine deutschlandweite Karte von No-Go-Areas: nogoarea.de

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  1. […] Ich fordere: Irans Präsidenten gar nicht erst einreisen lassen und die braune Kundgebung gar nicht erst zulassen! Gewaltfreien Projekten junger Jüdinnen und Juden sowie ihrer christlichen Freunde (wie bspw. http://www.weisse-rose.info) zumindest während der Weltmeisterschaft alle Aufmerksamkeit schenken, sie nicht im Stich lassen. Sonst sind Sonntagsreden wie die des Herrn Heye (ob er damit nun recht hat -wie ich meine- oder nicht, sei dahingestellt) nichts alles leeres Geschwätz. Nun müssen den antirassistischen Worten Taten folgen! Taten einer bislang allzu oft und viel zu lange untätigen Politik. […]


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