Kinderpornographie im Internet breitet sich dramatisch aus!
Einen interessanten Artikel dazu bietet www.weisse-rose.info:
"Es wird immer noch zu wenig für die Prävention getan! Projekte junger Menschen gegen die Schattenseiten des Internets werden diffamiert, sabotiert, boykottiert, schikaniert -man sieht uns als Nestbeschmutzer statt die tatsächlichen Netzbeschmutzer, nämlich Kinderpornographen/Pädophile an den Pranger zu stellen und ihnen Steine in den Weg zu legen" -zieht das Weiße Rose-Jugendbündnis, das die bundesweit größte Hyperlinkliste gegen sexuellen Missbrauch erstellt, eine negative Bilanz.
Eine konsequente Ahndung bei Verstößen gegen den Jugendschutz auch im Internet hat Bayerns Familienministerin Christa Stewens am Montag in München gefordert. Stewens: "Mit Bußgeldern aus der Portokasse kommen wir bei gewissen Teilen der Internet-Branche nicht weiter – diese nehmen nur empfindliche Sanktionen ernst." Die Ministerin wies in diesem Zusammenhang auf die Bedeutung von Initiativen zur Stärkung des Jugendschutzes hin, zum Beispiel Jugendschutz.net, eine 1997 von den Jugendministerien der Bundesländer gegründete Plattform zur Überprüfung von jugendschutzrelevanten Angeboten im Internet. Organisatorisch ist jugendschutz.net seit 2003 an die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) angebunden.
Stewens: "Allein im vergangenen Jahr wurden 1.030 Verstöße auf deutschen Internet-Seiten durch Jugendschutz.net beanstandet, 131 davon betrafen bayerische Anbieter. In etwa 70 Prozent der Fälle führten diese zur schnellen Beseitigung." Der Erfolg von Jugendschutz.net ist nach den Worten der Ministerin nicht zuletzt den zahlreichen Beschwerden durch Bürger zu verdanken. "Über 3.900 Meldungen sind 2004 über die Hotline von Jugendschutz.net eingegangen", sagte die Ministerin. Sie appellierte an das zivilgesellschaftliche Engagement der Bürger, pornographische oder gewalthaltige Auswüchse im Internet zu melden.
"Die Vorfälle in der jüngsten Vergangenheit, in denen Minderjährige in der Folge einer virtuellen Bekanntschaft aus dem Chatroom sexuell belästigt und missbraucht wurden, sind zutiefst erschütternd", betonte Stewens und forderte vor diesem Hintergrund von Eltern und Pädagogen eine stärkere Wachsamkeit. "Damit Kinder und Jugendliche nicht in eine Falle laufen, sollten Eltern und Pädagogen Verhaltensregeln für das Surfen im Internet vereinbaren", so die Ministerin. Den Recherchen von Jugendschutz.net zufolge waren sexuelle Übergriffe in der Mehrzahl der untersuchten Chats an der Tagesordnung. "Die Anbieter solcher Foren werden ihrer Verantwortung bei Weitem noch nicht gerecht, junge Menschen wirksam zu schützen", kritisierte Stewens.
Als "unerträglich" bezeichnete sie auch die sexuelle Vermarktung von Kindern und Jugendlichen im Internet. Deshalb wurden so genannte "Posenfotos", Darstellungen im Vorfeld der Kinderpornographie, durch den Jugendmedienschutz-Staatsvertrag verboten, betonte die Ministerin.
Eine Kurzfassung des Erfahrungsberichtes 2004 von jugendschutz.net kann unter der gleich lautenden Internetadresse www.jugendschutz.net abgerufen werden.
Aufgerüttelt sind auch die Behörden in den USA (die nach Ansicht der Weiße Rose-Jugend für die bessere internationale Zusammenarbeit der Regierungen gegen Kinderpornographie endlich mehr tun müssen):
Trotz zahlreicher öffentlichkeitswirksamer Festnahmen hat unterdessen der Verbreitungsgrad von Kinderpornographie im Internet drastisch zugenommen. Das gaben nun auch US-Strafverfolger in Washington DC bekannt.
So wuchs in den letzten vier Jahren allein die Zahl der Meldungen über kinderpornographische Websites beim US-amerikanischen "National Center for Missing & Exploited Children" (NCMEC, www.ncmec.org) um fast 400 Prozent an. Ein starker Anstieg sei insbesondere im Bereich der kommerziellen Web-Sites zu verzeichnen, die Fotos von nackten Kindern kostenpflichtig anbieten.
Mittlerweile habe sich das Geschäft mit der Kinderpornografie zu einer globalen Multimilliarden-Industrie entwickelt. "Wir stoßen auf ungeahnte Ausmaße, was die Zahl der Schänder und Kinderpornoanbieter betrifft. Mit sowas hätten wir vor einigen Jahren nie gerechnet", zeigt sich Ray Smith, Beauftragter der US-Regierung und zuständig für Untersuchungen zum Kindesmissbrauch, entsetzt. "Es ist ein weltweit explodierendes Problem, besonders in den USA", so Ernie Allen, Präsident des National Centers.
Den Kampf gegen diese Zunahme von Kinderpornographie kämpfen die Strafverfolger mittlerweile an mehreren Fronten. Zum einen wurde auf dem G-8 Gipfel in Schottland im letzten Monat beschlossen, dass der internationale Polizei-Zusammenschluss Interpol eine globale Datenbank mit Straftätern und Opfern zusammenstellt. Des weiteren kommen in dieser Woche 3.000 Strafverfolgungsbeamte aus den gesamten Vereinigten Staaten in Dallas zusammen, um über Wege und Methoden zur Bekämpfung von gegen Kinder gerichtete Internetkriminalität zu diskutieren.
Der kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger setzt sich für eine Strafverschärfung bezüglich des Besitzes von Kinderpornografie ein. Auch Internet-Nutzer, die sich in Chat-Rooms an Minderjährige heranmachen, sollen künftiger mehr zur Verantwortung gezogen werden.
In die "Schlagzeilen" gelangte das Tabuthema hierzulande erst vor kurzem wieder, weil das Hauptzollamt Erfurt über das Internet einen Computer versteigerte, auf dessen Festplatte neben Neonazimusik auch Kinderpornos des früheren Besitzers gespeichert waren.
Zwar sei die Festplatte des Rechners zuvor gelöscht worden, mit einem handelsüblichen Datenrettungsprogramm seien die Dateien jedoch wieder zum Vorschein gekommen. Der Rechner war zuvor in Chemnitz sichergestellt und nun an das Landeskriminalamt Hamburg übergeben worden.
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